Montag, März 26, 2007

Umzug

Ich blogge jetzt erst 'mal hier weiter:

http://handgemachtes.my-designblog.de/

Ich hoffe, Ihr kommt mich auch dort besuchen, und ich freue mich, wenn Ihr den Link zu meinem Blog aktualisiert!

Mittwoch, März 14, 2007

Noch 'mal "Nesthäkchen"

Zwischen den Bänden „Nesthäkchen im Kinderheim“ und „Nesthäkchens Backfischzeit“ gibt es ursprünglich noch einen Band, ein Teil des Erzählstrangs fehlt. Als ich versuchte, das „fehlende Glied in der Kette“ damals in der Berliner Stadtbibliothek auszuleihen, sagte man mir, daß dieses Buch als kriegsverherrlichende Literatur im „Giftschrank“ stünde, mit anderen Worten: Man konnte es nur dann ausleihen, wenn man den Nachweis darüber erbrachte, daß man das Buch für eine wissenschaftliche Arbeit benötigte. Einen solchen Nachweis konnte ich nicht erbringen. So geriet das Thema in Vergessenheit.

Bald nach der „Wende“, anfangs der 90er, wurde ich durch einen Zeitschriftenartikel an meine Nesthäkchenlektüre erinnert. In diesem Artikel wurde ein Buch besprochen, das den verstörenden Titel „Nesthäkchen kommt ins KZ“ (Marianne Brentzel) trug. Hier erst erfuhr ich, daß die Verfasserin der Nesthäkchen-Romane Jüdin war.
Ich kramte in meinen Erinnerungen, noch bevor ich das dort besprochene Buch las, und stellte fest, daß von diesem „jüdischen Hintergrund“ in meinen Nesthäkchenbüchern, soweit ich mich erinnerte, nichts zu lesen war. Das Milieu, das beschrieben wird, würde ich als „volkskirchlich-protestantisch“ bezeichnen. Man feiert die „deutsche Weihnacht“ mit Tannenbaum und Stille-Nacht und Geschenken und möglichst viel Nächstenliebe, man „begeht“ Ostern, eigentlich, weil der Frühling da ist, man bemerkt Pfingsten, schließlich läuten die Glocken und die Pfingstrosen blühen. Wenn geheiratet wird, dann in der (evangelischen) Gedächtniskirche. Und wenn es ganz feierlich wird oder ganz dicke kommt, redet man auch mal mit „dem dort droben“. Aber ich kann mich nicht erinnern, daß – und sei es am Rande – auch nur eine jüdische Schulfreundin vorgekommen wäre, niemand feiert jüdische Feiertage wie Rosch Haschana oder Pesach. Nicht einmal für den jüdischen Kinderarzt ist Platz, die Rolle des Arztes füllt ja schon Nesthäkchens Papa aus.

Else Ury, die diese Bücher geschrieben hat, war wohl eine ganz assimilierte Jüdin, d.h. verstand und empfand sich ganz natürlich Deutsche. Ich weiß nicht, was ihr der Glaube ihrer Väter bedeutet hat, ihre Biographen berichten, daß sie wohl zunächst sogar eine Anhängerin Hitlers war, weil sie sich von ihm eine Lösung für das große Elend, das die Weltwirtschaftskrise so vielen Menschen gebracht hatte, erhoffte. Bestimmt hatte sie auch, das darf man wohl aus ihren Büchern herauslesen, nie eine positive Beziehung zur Demokratie, zur Republik.
Sie gehörte sicher zu den vielen deutschen Juden, die damals zunächst dachten: Wir doch nicht! Uns meinen die nicht mit ihrem Antisemitismus…
Aber so war es dann: Else Ury wurde 1935 aus der „Reichsschrifttumskammer“ ausgeschlossen. Sie hatte unter all den Gesetzen zu leiden, das Leben der Juden einschränkten und belasteten. 1943 wurde Else Ury in die Große-Hamburger-Straße gebracht und von dort aus nach Auschwitz deportiert, wo sie bald darauf starb. – Das Schicksal der Ury und das Buch von M. Brentzel haben mich lange beschäftigt.

Aber nun muß ich ja auch noch etwas über „Nesthäkchen und der Weltkrieg“ schreiben. Sicher ist es kein Buch, das man unbedingt gelesen haben muß. Mir war es trotzdem wichtig, zur Vervollständigung meines Bildes. Noch mehr, als die Teile, die ich kannte, war es patriotisch, teilweise sogar chauvinistisch. Der Gedanke, der Krieg sei „der Erzieher der Jugend“ ist abstoßend, die Bezeichnung der deutschen Soldaten als „unsere tapferen Feldgrauen“ heillos verkitscht. Die Sicht auf andere Völker ist teilweise feindselig und undifferenziert.
Trotzdem gibt es auch kritische Töne: Wird nicht die zeitgenössische Sicht des Krieges hinterfragt, wenn die Heldin, beim Abendgebet um den Sieg der deutschen Armee bittend, sich selbst plötzlich fragt, ob nicht andere genauso um den Sieg ihrer Truppen beten, und dann Gott - wenigstens – um Neutralität bittet? Wird nicht der kindlich-kindische Patriotismus der Heldin der Lächerlichkeit preisgegeben, wenn sie nach Fremdwörtern fahndet und Strafgroschen für deren Verwendung kassiert, z.B. weil die Großmutter „Portemonnaie“ sagt statt „Geldbörse“ o.ä.? Oder, wenn sie überall Spione wittert?
Ich bin nicht sicher, dafür fehlt mir auch der Überblick, aber es hat wohl in dieser Zeit auch vergleichbare Literatur in Frankreich oder in England gegeben. War das nicht einfach auch der „Zeitgeschmack“? Hat nicht ein Buch wie Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ gerade deshalb weltweit so viele Leser gefunden, weil es eben damals nicht üblich war, den Krieg als grausam und sinnlos zu zeigen? Das soll keine Rechtfertigung sein, aber eine Einordnung.
Wie gesagt, man „muß“ das Buch nicht gelesen haben. Aber für die, die Nesthäkchen als Kind gern gelesen haben, lohnt sich, denke ich, diese Lektüre, v.a. aber die Auseinandersetzung mit dem Schicksal der Schriftstellerin Else Ury.

P.S. Versprochen: Beim nächsten Eintrag werd’ ich mich wieder kürzer fassen!

Dienstag, März 13, 2007

Lektüre

Außer, daß ich nun auch der Versuchung erlegen bin und das Buch „Victorian lace today“ gekauft habe, das mir übrigens sehr gut gefällt, v.a. weil ich rechteckige Schals lieber mag als Dreiecktücher, kann ich über Handarbeiten nichts Neues berichten. Alles, woran ich im Moment sticke, ist noch „geheim“, es handelt sich also um Wichteleien u.ä.. Außerdem geht es so wie so nur schleppend voran, weil ich so viel anderes zu tun habe. Arbeit und kranke Kinder vertragen sich schon schlecht miteinander, mit Handarbeiten aber noch weniger...

Damit das Blog trotzdem nicht verwaist, möchte ich erzählen, was ich zuletzt gelesen habe. Das Buch heißt „Nesthäkchen und der Weltkrieg“ und die Autorin Else Ury.



Ich weiß gar nicht, ob überhaupt noch Kinder/Mädchen meiner Generation Bücher von Else Ury gelesen haben?! (Doch, wenn ich mich richtig erinnere, schrieb Inga vom „Kleinen Sockhaus“ mal über solche Lektüre. Sie hatte, glaube ich, „Professors Zwillinge“ als Kind gern gelesen.)

Für alle, die die Bücher und ihre Autorin nicht kennen, sei kurz erklärt, daß es sich bei all diesen Büchern um sog. Mädchenliteratur handelt. Die Autorin Else Ury (1877-1943) war in dem DDR-Lexikon, in dem ich als Teenie mehr zu erfahren versuchte, als Verfasserin von Trivialliteratur verzeichnet. Mehr war über sie dort kaum zu erfahren.
Als ich das damals nachschlug, hatte ich sicher schon alle verfügbaren Nesthäkchenbücher gelesen, denn mit ihnen bin ich quasi großgeworden. Meine Großtante schmuggelte sie bei ihren Besuchen aus Westberlin zu uns. Diese Großtante hielt solche Lektüre wohl für sehr wertvoll für mich, vielleicht wollte sie mich vor „bolschewistischen Einflüssen“ bewahren? (Diese Tante war, was mich damals – Anfang der 70er - sehr beeindruckte, noch im 19. Jh. geboren, ihr Vater hatte als Kammerherr in Diensten des letzten deutschen Kaisers gestanden und die Tante war eine überzeugte Monarchistin geblieben.)

Später habe ich mich oft gefragt, weshalb ich diese Bücher damals so gern und immer wieder gelesen habe. Na ja, immerhin waren dies meine ersten „Westbücher“. Das spielte sicher eine Rolle. Bestimmt war es auch die „bürgerliche Welt“, die mich anzog, weil sie so ganz anders war als das, was mir sonst so an Idealen vorgeführt wurde. Mir gefielen v.a. die Beschreibung der Schulwirklichkeit, die so ganz anders war, als die Schulen, die ich selbst besuchte, und das Bildungsideal.
Ich weiß auch noch, daß „mein Berlin“ in den Büchern ganz war, während ich damals in der geteilten Stadt lebte.

Andererseits kann ich mich erinnern, daß ich die Bücher schon als Kind nicht unkritisch gelesen habe. Die Rollenbilder, die Erwartungen daran, wie ein Mädchen, eine Frau, ein Junge, ein Mann zu sein, was sie vom Leben zu erwarten und im Leben zu leisten hatten, befremdeten mich schon damals ein bißchen, paßten nicht zu dem, was mir vorgelebt wurde und was mir erstrebenswert erschien. Auch der unterschwellig antidemokratische, kaisertreue Geist war mir fremd, obwohl ich mir das ganze damals noch nicht einordnen konnte.
Aber, wie gesagt, ich liebte diese Bücher, und sie begleiteten mich.

Ich verstehe gut, wenn jemand sagt, ich wollte doch hier 'was über Handarbeiten lesen. Dann müßt Ihr Euch noch ein paar Tage gedulden. Wer weiter etwas über diese "Nesthäkchengeschichte" lesen will, kann morgen oder übermorgen gern wieder hier hereinschauen. Fortsetzung folgt!

Aber dann noch die Antworten zu den letzten Kommentaren:

Zum Thema "Söhnesocken" an "jinx": Danke für die Vorwarnung! 47 oder noch größer klingt schon ziemlich schockierend! Sind das Deine Erfahrungswerte? - Puh! Aber, wenn ich ehrlich bin, habe ich so 'was auch schon befürchtet!

Zum Puppenhaus.
Ich freue mich, daß die Idee und/oder die Vorlage, das Projekt Euch auch so gefallen, und ich freue mich darauf, Euch dann weitere Zimmer zu zeigen, wenn ich sie gestickt habe.
Cecile, zeigst Du noch das Foto von Deinem alten Puppenhaus?
Manu: Ja, die Designerinnen empfehlen 1/1-Stickerei.
Rosi: Zweigart Newcastle, also 16fädig
Krawuggl: Es gibt einige Kreuzstichvorlagen, die Puppenhäuser abbilden, aber dieses ist - für mich - das schönste davon.

Dienstag, März 06, 2007

Kleinmädchentraum

Vielleicht liegt es daran, daß ich in den letzten Wochen so viel in Fotoalben geblättert, alte Briefe gelesen habe und in Gedanken in meiner Kindheit spazieren gegangen bin, jedenfalls hatte ich Lust, das Dollhouse von Brightneedle anzufangen. Ich werde das sicher nicht hintereinanderweg sticken, sondern immer 'mal ein Zimmer "einrichten", wenn ich Lust dazu habe. Das erste Zimmer ist fertig.
Mit dem Sticken über einen Faden habe ich noch nicht viel Erfahrung. Das war mir zu anstrengend für ein - jedenfalls für meine Verhältnisse - großes Bild. Deshalb sticke ich es doch über zwei Fäden, aber auf 16fädigem Leinen, damit es insgesamt nicht so groß wird.
Ein "Kleinmädchentraum" ist es deshalb, weil ich als Kind gern mit der Puppenstube gespielt und immer von so einem nostalgischen Puppenhaus geträumt habe. Das Schönste an diesem Spiel war das Einrichten des Puppenhauses. Ich erinnere mich in dem Zusammenhang auch an verschiedene erste Handarbeitserfahrungen: häkeln (Gardine), sticken (Tischtuch), flechten (Teppich aus Buntpapierstreifen), weben (Teppich, auf so einem kleinen Holzwebrahmen, wie es sie heute noch für Kinder gibt), malen (Tapetenmuster).

Donnerstag, März 01, 2007

Söhnesocken


Diese Wolle hatte mir Annette schon letztes Jahr geschenkt. Ich nehme an, es ist Gewitterhimmel von der Wollmeise, oder? Sie hat mich an die Clapotiswolle erinnert. Jedenfalls habe ich sie nun endlich verstrickt, und herausgekommen sind dabei zwei Paar Socken für die Kinder in Größe 39 und 36. Himmel! Der Große ist neun und hat eine nur noch eine Nummer kleinere Schuhgröße als ich!!! Er wird mir wohl bald auf den Kopf spucken. ;-)

Herzlichen Dank noch 'mal, Annette, ich finde sie sehr schön und den Kindern gefallen sie auch richtig gut.