Außer, daß ich nun auch der Versuchung erlegen bin und das Buch „Victorian lace today“ gekauft habe, das mir übrigens sehr gut gefällt, v.a. weil ich rechteckige Schals lieber mag als Dreiecktücher, kann ich über Handarbeiten nichts Neues berichten. Alles, woran ich im Moment sticke, ist noch „geheim“, es handelt sich also um Wichteleien u.ä.. Außerdem geht es so wie so nur schleppend voran, weil ich so viel anderes zu tun habe. Arbeit und kranke Kinder vertragen sich schon schlecht miteinander, mit Handarbeiten aber noch weniger...
Damit das Blog trotzdem nicht verwaist, möchte ich erzählen, was ich zuletzt gelesen habe. Das Buch heißt „Nesthäkchen und der Weltkrieg“ und die Autorin Else Ury.

Ich weiß gar nicht, ob überhaupt noch Kinder/Mädchen meiner Generation Bücher von Else Ury gelesen haben?! (Doch, wenn ich mich richtig erinnere, schrieb Inga vom „Kleinen Sockhaus“ mal über solche Lektüre. Sie hatte, glaube ich, „Professors Zwillinge“ als Kind gern gelesen.)
Für alle, die die Bücher und ihre Autorin nicht kennen, sei kurz erklärt, daß es sich bei all diesen Büchern um sog. Mädchenliteratur handelt. Die Autorin Else Ury (1877-1943) war in dem DDR-Lexikon, in dem ich als Teenie mehr zu erfahren versuchte, als Verfasserin von Trivialliteratur verzeichnet. Mehr war über sie dort kaum zu erfahren.
Als ich das damals nachschlug, hatte ich sicher schon alle verfügbaren Nesthäkchenbücher gelesen, denn mit ihnen bin ich quasi großgeworden. Meine Großtante schmuggelte sie bei ihren Besuchen aus Westberlin zu uns. Diese Großtante hielt solche Lektüre wohl für sehr wertvoll für mich, vielleicht wollte sie mich vor „bolschewistischen Einflüssen“ bewahren? (Diese Tante war, was mich damals – Anfang der 70er - sehr beeindruckte, noch im 19. Jh. geboren, ihr Vater hatte als Kammerherr in Diensten des letzten deutschen Kaisers gestanden und die Tante war eine überzeugte Monarchistin geblieben.)
Später habe ich mich oft gefragt, weshalb ich diese Bücher damals so gern und immer wieder gelesen habe. Na ja, immerhin waren dies meine ersten „Westbücher“. Das spielte sicher eine Rolle. Bestimmt war es auch die „bürgerliche Welt“, die mich anzog, weil sie so ganz anders war als das, was mir sonst so an Idealen vorgeführt wurde. Mir gefielen v.a. die Beschreibung der Schulwirklichkeit, die so ganz anders war, als die Schulen, die ich selbst besuchte, und das Bildungsideal.
Ich weiß auch noch, daß „mein Berlin“ in den Büchern ganz war, während ich damals in der geteilten Stadt lebte.
Andererseits kann ich mich erinnern, daß ich die Bücher schon als Kind nicht unkritisch gelesen habe. Die Rollenbilder, die Erwartungen daran, wie ein Mädchen, eine Frau, ein Junge, ein Mann zu sein, was sie vom Leben zu erwarten und im Leben zu leisten hatten, befremdeten mich schon damals ein bißchen, paßten nicht zu dem, was mir vorgelebt wurde und was mir erstrebenswert erschien. Auch der unterschwellig antidemokratische, kaisertreue Geist war mir fremd, obwohl ich mir das ganze damals noch nicht einordnen konnte.
Aber, wie gesagt, ich liebte diese Bücher, und sie begleiteten mich.
Ich verstehe gut, wenn jemand sagt, ich wollte doch hier 'was über Handarbeiten lesen. Dann müßt Ihr Euch noch ein paar Tage gedulden. Wer weiter etwas über diese "Nesthäkchengeschichte" lesen will, kann morgen oder übermorgen gern wieder hier hereinschauen. Fortsetzung folgt!
Aber dann noch die Antworten zu den letzten Kommentaren:
Zum Thema "Söhnesocken" an "jinx": Danke für die Vorwarnung! 47 oder noch größer klingt schon ziemlich schockierend! Sind das Deine Erfahrungswerte? - Puh! Aber, wenn ich ehrlich bin, habe ich so 'was auch schon befürchtet!
Zum Puppenhaus.
Ich freue mich, daß die Idee und/oder die Vorlage, das Projekt Euch auch so gefallen, und ich freue mich darauf, Euch dann weitere Zimmer zu zeigen, wenn ich sie gestickt habe.
Cecile, zeigst Du noch das Foto von Deinem alten Puppenhaus?
Manu: Ja, die Designerinnen empfehlen 1/1-Stickerei.
Rosi: Zweigart Newcastle, also 16fädig
Krawuggl: Es gibt einige Kreuzstichvorlagen, die Puppenhäuser abbilden, aber dieses ist - für mich - das schönste davon.