Freitag, Dezember 29, 2006

Erster Schnee

Betrifft: Erster Schnee

Eines Morgens leuchtet es ins Zimmer,
und du merkst: 's ist wieder mal soweit.
Schnee und Barometer sind gefallen.
Und nun kommt die liebe Halswehzeit.

Kalte Blumen blühn auf Fensterscheiben.
Fröstelnd seufzt der Morgenblattpoet:
„Winter läßt sich besser nicht beschreiben,
als es schon im Lesebuche steht.“

Blüten kann man noch mit Schnee vergleichen,
doch den Schnee . . . Man wird leicht zu banal.
Denn im Sommer ist man manchmal glücklich,
doch im Winter nur sentimental.

Und man muß an Grimmsche Märchen denken
und an einen winterweißen Wald
und an eine Bergtour um Silvester.
Und dabei an sein Tarifgehalt.

Und man möchte wieder vierzehn Jahr sein:
Weihnachtsferien . . . Mit dem Schlitten raus!
Und man müßte keinen Schnupfen haben,
sondern irgendwo ein kleines Haus.

Und davor ein paar verschneite Tannen,
ziemlich viele Stunden vor der Stadt.
Wo es kein Büro, kein Telefon gibt.
Wo man beinah keine Pflichten hat.

Ein paar Tage lang soll nichts passieren!
Ein paar Stunden, da man nichts erfährt.
Denn was hat wohl einer zu verlieren,
dem ja doch so gut wie nichts gehört.


(aus: Die paar leuchtenden Jahre, Gedichte, 2003, dtv - Hrsg. von Gisela Zoch-Westphal)

Zu Ehren des ersten (spärlichen, nassen, inzwischen schon wieder geschmolzenen) Schnees dieses Winters ein Gedicht meiner Lieblingsdichterin Mascha Kaleko. Die Zeile mit der "lieben Halswehzeit" mag ich besonders, weil sie mich an die Unbeschwertheit der Kindheit erinnert. Wie kann man die Zeit der Halsentzündungen als "liebe Halswehzeit" bezeichnen? Damals - in der Kindheit - bedeutete eben so ein "grippaler Infekt" nur, daß ich nicht zur Schule mußte, es mir einfach gemütlich machen konnte, lesen, malen, häkeln... oder stricken, und besondere Zuwendung genoß. Von der Not, daß in diesem Fall Arbeit liegen blieb, sich ansammelte und auftürmte, ahnte ich damals noch nichts. War das nicht schön? Aber das Gedicht erzählt auch von der "Verlangsamung der Zeit", die sich durch den Schnee ergibt, jedenfalls, wenn man auf dem Dorf wohnt. Das genieße ich auch heute noch. Selbst die durchgeknalltesten brandenburgischen Autofahrer scheinen sich irgendwie zu beruhigen...

Den Schal habe ich heute verschenkt, und die Empfängerin hat sich richtig gefreut. Herzlichen Dank an Susa und Bettina für die Kommentare!

Den dritten Kommentar bitte ich nicht zu ernst zu nehmen, weil den wohl - vermute ich - der Angetraute geschrieben hat. Ich freue mich aber auch über die über 10000 "Clicks" und wundere mich.... Und daß er das liest, freut mich auch... Habt noch eine gemütliche Zeit zwischen den Jahren!

Donnerstag, Dezember 28, 2006

Zwischen den Jahren


Diese Zeit "zwischen den Jahren" genieße ich immer sehr. Weihnachten ist vorbei, die Kinder sind nicht mehr "aufregungsgestreßt", der erweiterte Familienkreis ist bekocht und gesättigt, die Geschenke sind verschenkt und für andere handgearbeitete Geschenke blieb keine Zeit mehr. Jetzt kann ich wieder "ohne Druck" stricken und sticken, wozu ich Lust habe. Und lesen. (Ich habe mir Walter Kempowskis "Alles umsonst" zu Weihnachten geschenkt.) Ich stricke gaaanz laaaangsam an einem Paar Socken, die nicht so schnell fertig werden müssen, und gestern abend habe ich 'was Neues zu sticken angefangen. Alles ganz in Ruhe, das neue Jahr scheint noch so weit weg zu sein...
Der Schal oben ist kurz vor Weihnachten "fertiggeworden", d.h. ich habe ihn von unten nach oben gestrickt, und als Weihnachten heran war, damit aufgehört und ihn für fertig erklärt. So einen Dreiecksschal wollte ich immer schon mal stricken, aber nicht selbst tragen. Im Advent fiel mir ein "Opfer" für dieses Geschenk ein, eine ältere Dame. Ich hoffe, er gefällt ihr. Die Wolle ist von Anny Blatt (Fine Kid), Nadelstärke 3,5.
Und dann habe ich mich noch hier zum Sal angemeldet. Darauf freue ich mich schon.

Habt herzlichen Dank für Eure Komplimente zum Denim-Pullover und auch für die Genesungswünsche. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Und die guten Wünsche haben auch geholfen, denn die Sache ging erstaunlich schnell über die Bühne. :-)

Mittwoch, Dezember 13, 2006

Endlich...


... habe ich die Bilder vom fertigen Pullover. Ich finde ja, daß sich fertige Pullover unangezogen blöd fotografieren lassen, aber der Große wollte nicht posieren. Anziehen schon... ;-) Nun muß es eben so gehen. Der Farbton der Wolle ist im Original eher so dunkel wie auf dem Bild oben, etwas aufgehellt kann man aber das Muster besser erkennen.
Unten deshalb noch zwei Details: der Halsausschnitt und eine der Ärmelnähte. Gut gefällt mir auch die Lösung mit den beiden seitlichen Schlitzen. Ich denke, das trägt sich angenehmer, vor allem bei der weniger elastischen Baumwolle.



Mir gefällt der Pullover richtig gut, dem Empfänger auch, ich bin aber (ehrlich!) offen für kritische Anmerkungen der Meisterstrickerinnen! Nun überlege ich, ob die Wolle noch für eine Weste für den Kleinen reicht, sonst mache ich daraus "erste Babyjeans" (als dem last-minute-Geschenkebuch von J. Hoverson) zum Verschenken; die finde ich auch sehr nett.

Ich hoffe, daß ich bald mal wieder Zeit für eine ausführlichere Blogrunde habe, aber es gibt noch so viel zu tun für's Weihnachtsfest und seit letzter Nacht liegen beide Kinder mit einem Magen-Darm-Virus auf der Nase, und mir ist auch schon ganz komisch. Ich will mich aber nicht beschweren, im Gegenteil: Ich bin sehr froh, wenn wir das in diesem Jahr ausnahmsweise vor Weihnachten abhaken können. 2004 und 2005 hatten wir's nämlich alle nacheinander direkt zu Weihnachten... Das ist kein Spaß, wenn zum Fest alle schlapp und lustlos sind, sich nicht richtig freuen können, keiner was essen kann und man auch noch arbeiten soll.

Dienstag, Dezember 05, 2006

Morgen ist Nikolaustag...

…und er hat die "Stiefel-Strümpfe" schon gefüllt! Diese beiden Nikolausstrümpfe habe ich für die Kinder jeweils in ihrem ersten Lebensjahr gestickt. Wir benutzen sie jedes Jahr wieder, aber hier auf dem Blog habe ich sie noch nicht gezeigt. Die Rückseiten sind auch gestickt - in reiner Fleißarbeit - d.h. die Fläche sieht so aus wie die Ferse und die Spitze von Martins Strumpf.

P.S. an Cecile: Danke für’s Kompliment und die guten Wünsche! Ein Biscornu ist – soweit ich weiß - eine französische Variante eines Nadelkissens. Zwei quadratische Teile werden dafür versetzt aufeinander genäht. So entsteht die runde (oder besser achteckige) Form. Wenn Du es genau wissen willst: http://silepointcompte.free.fr/bricotruc/biscornu.htm/>Hier> wird es erklärt, und die Bilder sprechen für sich. Wie man an meiner Frage nach dem Genus von biscornu gemerkt hat, habe ich ja keine Ahnung von der französischen Sprache.

An meinen Biscornu habe ich einen Garnschneider (Clover thread cutter) drangehängt. Die gibt’s übrigens auch für Wolle (;-)), quasi als Scherenersatz. Die Vertreiber empfehlen die Garnabschneider als Alternative zur Schere, die man wohl auf Flugreisen nicht mehr mit sich führen darf. Ich finde, sie sind einfach ein schönes Geschenkchen für Handarbeiterinnen.

P.S. an Antje: Herzlichen Dank für die Erklärung! Ich wußte nicht, daß die Franzosen kein Neutrum haben. Nachdem ich noch bei LEO geguckt habe, wäre die richtige Übersetzung also „der Wunderliche“? Stimmt das?



Sonntag, Dezember 03, 2006

Advent? Advent!

Siehe, dein König kommt zu dir,
ein Gerechter und ein Helfer.
Sach 9,9

Noch zu Beginn der Woche war mir eigentlich gar nicht so, als würde demnächst die Adventszeit beginnen. Aber inzwischen haben wir die Adventkalender aufgehängt, die ersten Türchen geöffnet, die ersten Plätzchen gebacken, die Wohnung geschmückt, und mit dem Gottesdienst heute vormittag zieht nun trotz des noch immer ganz frühlingshaften Wetters langsam etwas adventlichere Stimmung in mir ein. Den Kindern scheint es weniger schwer zu fallen, sich auf vorweihnachtliche Gedanken einzulassen. Bei denen ist Weihnachten schon jetzt wieder ein ganz wichtiges Thema...

Ich bin nun immerhin so weit, daß ich von Herzen allen eine gesegnete, fröhliche, ruhige, produktive, besinnliche ... Adventszeit wünschen kann, jeder/jedem so, wie Ihr es gerade nötig habt!

Ich hoffe, der Pullover ist nun bald ganz fertig. Die Fäden sind vernäht, nun dreht er gerade in der Waschmaschine seine Runden, kann - hoffentlich angemessen - einlaufen und dann zusammengenäht werden.

Ein kleines Geschenk habe ich inzwischen noch gestickt, ein(nen?) Biscornu, dessen Vor- und Rückseite unten zu sehen sind. (Vielleicht kann mir mal eine französischsprechende Leserin schreiben, ob das masc. oder neutr. ist?)



P.S. an Anja: Der Geburtstagskuchen war eine Schoko-Sahne-Torte. Sie besteht hauptsächlich aus Sahne, Schokolade und Eiern... sicher nicht sehr gesund... aber guuuuuuuuuut! Rezept: http://www.hausfrauenseite.de/rezepte/kuchen/
schokoladenkuchen/schokosahnetorte.html