Halloween

Ich hatte kaum Halloweenmotive in meinem Fundus, denn ich kann mit diesem Fest eigentlich nichts anfangen. Erstens feiere ich am 31. Oktober, wenn überhaupt, Reformationsfest. Zweitens verstehe ich nicht, warum sich erwachsene Menschen (!) verkleiden und absichtlich häßlicher machen, als sie von Natur aus wären, und mit Themen wie Angst und Tod „spielen“. Ich finde, es gibt auf der Welt schon genug, wovor ich mich fürchte. Ich muß da nichts „dazuinszenieren“.
Bei Kindern ist es (für mich) ein bißchen anders. Daß das Verkleiden und sich Fürchten (in der Gruppe) eine Funktion für sie hat, kann ich mir vorstellen. Vielleicht ist es dem Märchenerzählen und -hören vergleichbar? Viele Märchen sind ja auch ziemlich gruselig und sogar grausam, und können doch (oder gerade deshalb) sehr wichtig sein für Kinder. Ich kann mich erinnern, daß mein jüngerer Bruder und ich uns abends im Bett lange über „Hänsel und Gretel“ unterhalten haben, darüber, ob Eltern tatsächlich so grausam sein können, ihre Kinder im Wald auszusetzen. Das war sicher eine Art Vergewisserung: Unsere Eltern würden so was nicht machen…
Vielleicht ist es, was die Verarbeitung von (Kinder-)Ängsten angeht, ähnlich mit Halloween. Die Ängste, die ja oft ganz unspezifisch sind, kriegen gewissermaßen einen Namen. Keine Ahnung, ich bin keine Kinderpsychologin.
Als Mutter gefällt mir an Halloween nicht, daß es so eine „Raffmentalität“ unter den Kindern fördert. Wie die Irren rennen sie durch’s Dorf, manche auch ohne Rücksicht auf andere, und hinterher vergleichen sie, wer am meisten gehamstert hat. So viele Süßigkeiten, die sie bis Nikolaus gar nicht aufessen können!
Aber auch da kann die Wirtschaft den wegen Karies und Diabetes besorgten Eltern helfen! Wie mir der Große neulich erzählte, immerhin mit einem ironischen Unterton, weil er sich schon dachte, was ich gleich sagen würde, bietet *Playmobil* jetzt auch Spielsachen zu Halloween an. Na, dann ist ja gut.
Damit will ich nicht grundsätzlich etwas gegen diese Heischebräuche sagen. Aber die Kurrende- oder St.-Martins-Kinder singen wenigsten ein Lied, das sie vorher gelernt haben. Und die katholischen Sternsinger sammeln sogar für andere Kinder.
Vielleicht klingt das für manche zu streng. Ich weiß auch nicht, wie ich darüber dächte, wenn ich in der angelsächsischen Tradition großgeworden wäre. Vielleicht würde ich einfach so mitmachen, weil alle es machen. Und natürlich habe ich überhaupt nichts gegen herbstliche Dekorationen mit Kürbissen, Vogelscheuchen und bunten Blättern. Wer es mag, soll natürlich auch Hexen und Geister dazustellen und Halloween feiern. Gott sei Dank leben wir ja in einem Land, in dem wir uns keine Vorschriften (mehr) über solche Sachen machen.
Aber über mich ist Halloween vor sieben oder acht Jahrenganz plötzlich hereingebrochen, und mir ist es fremd geblieben. Deshalb mag ich es auch selbst nicht feiern. Ich hab ja früher auch nicht den Tag der NVA oder den Tag der Republik gefeiert. Dagegen feiere ich z. B. gern Weihnachten als Geburtstag Jesu oder die Geburtstage meiner Kinder, weil ich froh bin, daß es sie gibt.
Trotzdem habe ich das Halloweenkissen für Lari wirklich gern gestickt. Es hat mir Spaß gemacht, ihr eine Freude zu bereiten.











